Das SWF-Nachtcafé widmete sich Ende Mai dem Thema “Leben mit Krebs”. Die Sendung wird am 02.07.2009 in 3Sat um 10.15 Uhr wiederholt.
Kein Wunder, dass die Fragen, wie man mit Krebs leben kann, welche neuen Behandlungsmethoden es gibt und wie man als Umfeld mit Krebspatienten umgeht, immer wichtiger werden. Für viele Patienten ist Krebs mittlerweile ein ständiger Begleiter in einem ansonsten normalen Leben. Jährlich erkranken rund eine halbe Million Deutsche an Krebs und die Tendenz steigt – so erwarten Experten eine Zunahme der Krebserkrankungen um 50% bis 2030.
Und doch sterben allein in Deutschland über 200 000 Menschen jedes Jahr an Krebs, für sie stellt sich die Frage, wie man die verbliebene Lebenszeit nutzen kann. Wie ist der aktuelle Forschungsstand? Was kann das Umfeld eines Krebspatienten tun? Welche Rolle spielt die Psychoonkologie?
Gäste:
Klaus Wildbolz
Der Schauspieler Klaus Wildbolz sagte alle Engagements ab, als seine Frau Barbara 2008 die Diagnose Gebärmutterkrebs bekam. Er widmete ihr vollständig seine Aufmerksamkeit in den letzten gemeinsamen Monaten, denn beiden war klar, dass sie sterben würde. Nichts blieb in dieser Zeit ungesagt, auch wenn es extrem viel Kraft kostete. „Barbara wird mein Herz nie verlassen“.
Ina Stinchcombe
Als Tom mit zwei Jahren an einem Neuroblastom im IV. Stadium erkrankte, waren die Überlebenschancen gering, aber er schaffte es. Die gesamte Familie von Ina Stinchcombe geriet aus den Fugen, der ältere Sohn Jan bekam es deutlich zu spüren. Vor wenigen Wochen erlitt Tom eine erneute Krebserkrankung, dieses Mal realisiert der Achtjährige sehr gut, wie es um ihn steht. Und wieder ist die Familie und besonders die Mutter gefordert, wenn er fragt: „Warum muss ich es denn schon wieder sein?“
Prof. Thomas Küchler
Der Psychoonkologe Prof. Thomas Küchler beschäftigt sich mit den ganz ‚normalen’ Problemen der Krebspatienten, und erforscht alle Möglichkeiten, die Lebensqualität in den verbleibenden Jahren zu optimieren. Wesentliche Faktoren sind das soziale Umfeld und die Familie, aber wichtiger noch ist es, die Ängste des Patienten ernst zu nehmen. „Wenn er versteht, dass sich endlich jemand für ihn und nicht nur für seinen Tumor interessiert, sind wir einen großen Schritt weiter“.
Elisabeth Werner
Die erste Krebsdiagnose 2007 warf Lisa Werner in ein tiefes seelisches Loch aus Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Bei der Diagnose eines nicht heilbaren Bauchfellkrebs vor ein paar Monaten hat sie verstanden, dass alles Hadern ihr nur die Energie raubt, die sie zum Leben braucht. Und leben will sie jetzt in vollen Zügen. „Die Krankheit hat mein Leben sehr verändert. Auch wenn es sich seltsam anhört, aber heute bin ich viel mutiger als früher“.
Erhard F. Freitag
Die Ärzte schrieben Erhard F. Freitag schon zweimal ab, als sein Körper bei Lymphdrüsenkrebs voller Metastasen war. Er konzentrierte sich immer wieder auf seine seelischen Stärken, mit der umstrittenen Methode nach Carl Simonton signalisierte er seinem Unterbewusstsein Lebenswillen – und siegte. Für ihn ist Krebs eine Krankheit der Seele: „Die Menschen schlucken über Jahrzehnte ihre Ängste und irgendwann versagt das Immunsystem“, so der Hypnosetherapeut.
Prof. Otmar D. Wiestler
Prof. Otmar Wiestler ist als wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg in Diagnose und Behandlung aller Krebsarten immer auf dem neuesten Stand. Die Therapien werden immer individueller auf den Patienten zugeschnitten und Antikörper greifen Krebszellen gezielt an. Die Zukunft liegt in interdisziplinären Krebszentren, die eng an die Forschung gebunden sind. Das gibt Hoffnung, so der Wissenschaftler: „Denn es gibt kaum ein Gebiet, auf dem sich neue Behandlungsformen so schnell durchsetzen wie in der Krebsmedizin.
Jörg Bauer und Markus Koffner
Nach zweimaliger Stammzelltherapie hatten die Mediziner Jörg Bauer aufgegeben, und er hatte bereits seine Beerdigung organisiert. Durch das Experiment einer dritten Transplantation mit halb identischen Zellen gelang schließlich die Genesung. Dass er so lange durchhielt verdankt er seinem genetischen Zwilling Markus Koffner. „Hätte er mich nicht zwei Mal in die Verlängerung geschickt, dann wäre ich nicht eine Erfolgsgeschichte der Krebsmedizin geworden“.
Quelle: SWR-Fernsehen via Deutsche Krebsgesellschaft