Definition
Oligodendrogliome treten vor allem im Großhirn mit einer Verteilungsfrequenz von 3:2:2:1 zwischen Stirn-, Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptslappen auf. Das Oligodendrogliom gehört zur Gruppe der diffusen Gliome. Nach der WHO-Klassifikation von Hirntumoren unterscheidet man Oligodendrogliome WHO-Grad II und (maligne) anaplastische Oligodendrogliome WHO Grad III. Mikroskopisch erkennt man optisch leere Räume um die Zellkerne, ein sogenanntes typisches „Honigwabenmuster“. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Artefakt im Zuge der histologischen Aufarbeitung.
Weiterhin erkennt man sehr gleichförmige, runde Zellkerne und langgezogene, gerade Kapillaren. Anaplastische Oligodendrogliome weisen eine erhöhte Zahl an Tumorzellen auf, die Tumorzellen und ihre Kerne variieren deutlich im Aussehen. Zudem sind nach der WHO-Klassifikation auch Nekrosen und proliferierende Gefäße erlaubt, so dass es diagnostische Überschneidungen mit dem Glioblastom gibt. Manchmal findet man auch Mischtumore mit Astrozytomen, hier spricht man dann von Oligoastrozytomen. Da es keine definierten Zahlen zum Anteil oligodendroglialen und astrozytären Tumorgewebes bei Oligoastrozytomen gibt, variieren die Diagnosezahlen von Oligodendrogliomen und Oligoastrozytomen zwischen den neuropathologischen Instituten zum Teil erheblich.
Therapie von Oligodendrogliomen
Die Therapie von Oligodendrogliomen besteht vor allem in der operativen Entfernung des Tumors. Aufgrund des biologischen Charakters diffus infiltrierender Gliome ist allerdings eine operative Heilung nahezu unmöglich. Bei anaplastischen Oligodendrogliomen WHO Grad III wird zudem eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie angewendet. Der Erfolg dieser beiden therapeutischen Optionen kann im Vorfeld abgeschätzt werden anhand des genetischen Profils des Tumors: Oligodendrogliome mit kombinierten Allelverlusten auf 1p und 19q sprechen zumeist gut, solche ohne Verluste schlecht auf diese Therapien an.[18] Da allerdings auch therapeutische Erfolge mittels Chemo- oder Strahlentherapie bei Oligodendrogliomen ohne Allelverlusten beobachtet werden, ist eine solche Therapie auf jeden Fall zu empfehlen. Eine genetische Testung hat sich unterdessen neben der histopathologischen Diagnostik etabliert und sollte durchgeführt werden.
Quelle: Wikipedia
- Bhatoe HS, Deshpande GU. Childhood cerebellar vermian oligodendroglioma. Neurol India 1999;47:341
- Oligodendrogliomas are seen generally in the supratentorial compartment. Posterior fossa is rarely the site of such tumours and cerebellar location is distinctly rare in childhood. We present our experience with one child with cerebellar vermian tumor. (Englischsprachiger Fachartikel)
- Oligodendrogliom im Mikroskopbild
- Aus einem Skript der Neuropathologie Uni Köln
- Oligodendrogliom im Buch "Neurochirurgie" von Michael Schirmer
- gefunden bei GoogleBooks